Weiterer Ärger um den ICO der Envion AG – Trado GmbH und Quadrat Capital GmbH führen Prozess vor dem Landgericht Berlin

/ 21.06.2018 / / 104

Im 2. Stock des Landgerichts Berlin fand am heutigen Donnerstag, den 22.06.2018 die mündliche Verhandlung zwischen der Trado GmbH und der Quadrat Capital GmbH statt. Hinter der Trado GmbH steht als Geschäftsführer, Herr Michael Luckow, auf Seiten der Quadrat Capital GmbH, Herr Matthias Woestmann, der aktuelle CEO der Envion AG, mit Sitz in der Schweiz. In dem nun mündlich verhandelten Klageverfahren ging es u.a. um eine Kapitalerhöhung auf Seiten der Envion AG. Vertreter der Kanzlei CLLB Rechtsanwälte waren als Beobachter vor Ort.

Istva Cocron

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Rechtsanwalt Istvan Cocron ist Partner bei CLLB in München und spezialisiert auf juristische Themen rund um Kryptowährungen

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Zu Beginn der mündlichen Verhandlung wiesen die beiden anwaltlichen Vertreter der Quadrat Capital GmbH darauf hin, dass sie bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin gegen die anwaltlichen Vertreter der Trado GmbH einen Strafantrag wegen Geheimnisverrat und dem Verstoß gegen das Verbot widerstreitender Interessen gestellt hätten und beantragten aus diesem Grund die Zurückweisung der anwaltlichen Vertreter der Trado GmbH durch das Gericht. Das LG Berlin erlies hierzu zunächst keine Entscheidung

In Verlauf der weiteren Verhandlung wurde von Seiten der anwaltlichen Vertreter der Trado GmbH sinngemäß erklärt, dass die Trado GmbH den ICO der Envion AG praktisch vollständig selbst organisiert und technisch abgewickelt hat. Bei der Envion AG würde es sich daher nur um eine „rechtliche Hülle“, bzw. ein „rechtlich notwendiges Vehikel für den ICO“ handeln. Dies deckt sich mit den Ausführungen aus diversen Telegram-Gruppen der Geschädigten des EVN ICO, in denen behauptet wird, bei der Envion AG in der Schweiz würde es sich lediglich um eine Briefkastenfirma handeln und die eigentliche Geschäftsführung und den ICO steuernden Personen säßen in Berlin.
Die vom Vorstand der Envion AG im Rahmen einer Pressemitteilung bereits eingeräumte -und im Whitepaper nicht erwähnte- Produktion von „Mehrtoken“ von bis zu 40 Mio. Stück, wurde im Termin zur mündlichen Verhandlung ebenfalls angesprochen.

Die im Whitepaper nicht prospektierten Mehrtoken führen nach Auffassung der Kanzlei CLLB zu einem erheblichen Wertverlust des EVN Token, da der Emissionserlös aus dem ICO auf eine größere Anzahl von EVN Token „verteilt“ wurde. Darüber hinaus mehren sich die Stimmen derjenigen Investoren aus dem ICO, die erklären, sie hätten am ICO der Envion AG nicht teilgenommen, hätten sie gewusst, dass neben der im Whitepaper ausgewiesenen Anzahl an EVN Token, weitere Token produziert werden.

Da die Token des Envion ICO allesamt von der Trado GmbH in Berlin produziert wurden, müssten auch die vom Vorstand der Envion AG bereits benannten „Mehrtoken“ im Umfang von 20 bis 40 Mio. Token technisch von der Trado GmbH hergestellt worden sein. Dies ergibt sich nach Einschätzung der Kanzlei CLLB aus der Natur der Blockchaintechnologie und dem technischen Ablauf des „Token Generating Prozesses“. Sollte diese Einschätzung zutreffen, kämen für die geschädigten Anleger bei der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen im Zusammenhang mit dem ICO weitere Anspruchsgegner aus Berlin in Betracht.

Wie bereits in der Presse berichtet, wurden von Seiten des Vorstands der Envion AG, Matthias Woestmann IT-Forensiker der Blockchain Intelligence Group (BIG) beauftragt, die Vorgänge rund um die 40 Mio. mehrproduzierten Token zu untersuchen. Nach Aussage des Vorstands der Envion AG, wurden die Vorwürfe nunmehr auch technisch bestätigt.
Ende Februar 2018 erhielt der Vorstand der Envion AG nach eigenen Angaben Kenntnis davon, dass zusätzlich zu den im Whitepaper prospektierten 100 Mio. EVN Token rund 40 Mio. weitere, „illegale“ Token erzeugt wurden, ohne die Anleger und Investoren darüber zu informieren. Davon sind ggf. mehr als 20 Mio. Token an entsprechenden Kryptobörsen (Crypto-Exchanges) verkauft worden. Anleger erklärten nun gegenüber der Kanzlei CLLB, dass sie die EVN nicht erworben hätten, hätten sie gewusst, dass „hinter ihrem Rücken“ weitere EVNToken produziert werden, die den Kurswert der EVN Token verwässern.

Nun liegt eine aktuelle und umfangreiche technische Analyse des ICO durch die Experten der kanadischen BIG vor. Die Vorwürfe der Anleger wurden durch die BIG bestätigt.

In den letzten Tagen und Wochen meldete sich eine Vielzahl betroffener Investoren des Envion Skandals bei der in München und Berlin ansässigen Kanzlei CLLB Rechtsanwälte, um Schadenersatzansprüche gegen die Envion AG und die hier verantwortlichen Personen prüfen
Investoren des Envion ICO sollten daher prüfen, ob ihnen ggf. ebenfalls Schadenersatzansprüche zustehen. Die Kanzlei CLLB Rechtsanwälte ist darüber hinaus für sämtliche Hinweise und Unterlagen dankbar, die zur weiteren Aufklärung verwendet werden können.

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