Olaf Tank – „Zu guter Letzt!“

/ 26.01.2012 / / 269

Nachdem ich zwei Nächte drüber geschlafen habe fällt mir auf, dass Olaf Tank offensichtlich nur aus dem Abofallenbusiness ausgestiegen ist, weil er es nicht mehr geschafft hat. Das hat Gründe: Das Leben eines Abofallenanwaltes ist nicht einfach. Um es mit Vergnügen leben zu können braucht es Verdrängungsmechanismen der ganz besonderen Art, verinnerlichte kriminelle Energie, vielleicht euch ein gerütteltes Maß an sozialer Inkompetenz und moralische Anspruchslosigkeit auf dem Niveau nur knapp über der einer kastrierten und gestopften Käfigratte.

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All das sind Kompetenzen, über die Herr Tank offensichtlich in nicht in wirklich ausreichendem Maße verfügte. Vielleicht hätte er es gern fortgesetzt, aber die Lebensansprüche einer plötzlich wichtig gewordenen Familie, persönliche Schicksalsschläge und eventuell ein hohes Maß an körperlicher und geistiger Ausgebranntheit mögen letztendlich Grund für den Ausstieg gewesen sein. Der Tag des Olaf Tank hatte nicht genügend Stunden, um alle sich aufbauenden Ärgerlichkeiten wieder abzubauen. Der Turm wurde immer höher.

Der Moment, in dem Abofallentürme kippen kommt – bei dem einen früher, beim anderen später. Man kann mieses Karma nicht unendlich stapeln…

Das – und wirklich nichts anderes – scheint mir der Grund für den Ausstieg zu sein. Das wird insbeondere zum Ende des Buches hin deutlich, wo er das System Abofalle und die moralische Berechtigung seiner Existenz darin wie folgt beschreibt:

Zu guter Letzt

In einem Garten stehen einhundert Apfelbäume. Man kann sich von jedem Baum die Äpfel gratis pflücken. Um einen Baum ist ein Kreis gezogen. An diesem Baum hängt ein Schild „Die Äpfel an diesem Baum sind kostenlos“. Neben diesem Schild hängt ein weiteres Schild „Das Betreten des Kreises kostet Sie zehn Euro!“

Es wird immer wieder Menschen geben, die exakt von diesem Baum pflücken und sich zehn Minuten später sicher sind, dass es das zweite Schild zum Zeitpunkt des Pflückens nicht gab, oder dass sie nie einen Apfel von diesem Baum genommen haben. Ich war der Typ am Gatter, der die zehn Euro genommen hat, Und jetzt kann ich kein Obst mehr sehen.

mmh…Wo kommt denn grad das Gatter her, warum steht an diesem Baum ein Schild „Kostenlos“, wem gehört denn der Boden innerhalb des Kreises, wie will man beweisen, dass der Kreis betreten wurde, wann wurde er gezogen, was ist mit dem ausländischen Jungen, der das Schild nicht lesen konnte, was ist mit den ganzen „Kreise-Unsichtbar-Machen-Tricks“? Meine Güte Herr Tank, so einfach ist das Leben nun mal nicht. Ich persönlich werfe Ihnen nicht vor, ein Abofallenanwalt gewesen zu sein. Ich werfe ihnen vor, Ihr Forderungsmanagement auf höchst brutale und über die Grenzwertigkeit hinausgehende Art und Weise betrieben zu haben.

Also: kein Wort von Reue, nur eine inakzeptable Tatsachenverdrehung und Realitätsvernebelung verbunden mit der Aussage: „Wenn es irgendwie gegangen wäre, ich hätte weiter gemacht, denn aus meiner Sicht war es ok!“

Genau das Herr Tank ist das Problem – Sie haben sich da persönlich nicht weiter entwickelt, sondern haben nur vor den hohen Ansprüchen, die ein Leben als Abofallenanwalt mit sich bringt, kapituliert.

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