Brieffreundschaft mit einem Abzocker

/ 24.05.2017 / / 142

Heute habe ich – einige Tage vor dem offiziellen Erscheinungstermin – „Brieffreundschaft mit einem Abzocker“ von Andreas Sterntal lesen dürfen (Dank an den EWK-Werlag). Andreas Sterntal ist das Pseudonym des mir aus der Anti-Abzock-Szene seit Jahren gut bekannten Ghostwriters. Seine Erfahrungen sind authentisch, nahezu autobiografisch. Alle vorkommenden Namen und Internetseiten bestimmt nur zufällig ähnlich mit real existierenden Anwälten, Abzock-Fürsten und WEB-Projekten.

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Andreas Sterntal erzählt die Geschichte eines Helden, der die Opferrolle erst gar nicht antritt und die Forderungen eines Abofallenbetreiber (sims-dich-dumm.de) nicht nur frech nicht erfüllt, sondern sich auch aktiv in den Kampf einschaltet, teilweise sogar zum Strippenzieher wird, persönlicher Gefahr und jedem Risiko trotzend. Gut – so richtig gefährlich ist das nicht, aber schon mühsam, stressig, belastend und immer den eigenen Alltag bestimmend.

Wissend, dass das normale Opfer nicht so ein Held ist wird das Buch nicht zur Selbstbau-Anleitung zum Widerstand gegen den Abzockwahn, sondern zur lesenswerten Lebenswegbeschreibung eines Mutigen, der sich nicht nur die Abzocke nicht gefallen lässt, sondern selbst auch noch etwas unternimmt.

Seinem Gegenspieler verwehrt der Autor jegliche Form von Charisma, denn das wäre zu viel der Ehre. Dirk Katzenschwanz ist ein kleines Licht, auch wenn er Porsche Cabriolet fährt. Er ist nicht viel mehr als ein willfähriger Gefolgsmann einer großen und immer noch im Diffusen agierenden Organisation. Deren totalitärer Führungsstil degradiert die einzelnen Protagonisten zu kleinen Deppen, die für ein paar Euro ihr letztes Fünkchen Ehre opfern.

Auch ist der Gegenspieler auf der „Guten Seite“ alles andere als ein Leinwandheld. Seine Aktionen sind nicht spektakulär, eigentlich zeichnet er sich statt durch Kampfesmut eher durch Hartnäckigkeit und die Fähigkeit zur logischen Schlussfolgerung aus – selbst dann, wenn alle Logik nicht mehr zu funktionieren scheint.

Was das Buch auszeichnet ist, dass Sterntal den Wahnsinn der Abzocke im Winter 2010/11 auf dem Höhepunkt der Entwicklung in Ansätzen analysierbar macht und damit einen wertvollen Beitrag leistet zum Verständnis einer Sache, die einen ansonsten nur ungläubig den Kopf schütteln lässt. Kein Opfer, das dieses System durchblickt, wird die Rechnung bezahlen. Zu offensichtlich ist es, dass es der Nutzlosbranche nur darum geht, die Schwachen und nicht Nachfragenden abzuzocken. Wer aufmupft – wie Sterntal – wird so lange ignoriert, wie es möglich ist. Wer nicht zahlt muss keinen Prozess erwarten. Ein Prozess wäre ebenso wie ein aktives und medienwirksames Vorgehen gegen Kritiker wie Sterntal sehr schlecht für die Manövrierbarkeit und Beeinflussbarkeit der großen zahlenden Masse – und nur um die geht’s im Abzock-Geschäft.

Sterntal bezieht Gerichte, Behörden und Strafverfolger kaum ein in seine Szenarien – lange waren sie zahnlose Begleiter einer Entwicklung, die erst mit Initiierung der Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft seit Januar 2011 auf Unterstützung durch Staat und Gesellschaft hoffen darf.

Klar und deutlich zeigt er die Achillesfersen der Abzocker auf: Deren Wunsch nach eigener Anonymität und die banale Notwendigkeit einer funktionierenden Bankverbindung. Diese Schwachpunkte geht er konsequent an. Etwas überbewertet wird meiner Meinung nach die Bedeutung der „Kämpfer“ aus der Blogger-Szene. Die haben dem System das ein oder andere Geschäft versaut, letzendlich verhindern konnten sie aber nicht, dass Katzenschwanz und Konsorten Millionen Euro verdienten. Peanuts – würde ich sagen..

Viele unglaubliche Antworten die Sterntal auf ebenso unsinnige Fragen findet sind Puzzlestücke, die das Gesamtbild „Abzocke in Deutschland“ nachvollziehbar machen. Sterntal dokumentiert den erfolgreichen Kampf gegen die Windmühlen – leider etwas zu spät, denn auch ohne seine Enthüllungen wird der Nutzlosbranche langsam die Luft knapp.

Wer das Buch bestellen möchte kann dies per Mail an verbraucherschutz.tv tun. Ich leite das dann an den Verlag weiter. Preis: 16,90 Euro, 205 Seiten.
Oder direkt hier bestellen

Udo Schmallenberg

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2 Kommentare zu “Brieffreundschaft mit einem Abzocker”

  1. Doctor Hans See in seinem Vorwort so ausgedruckt .Um sich der Betrugereien dieser Nutzlosbranche wie sie von Ihren Kritikern genannt wird erfolgreich erwehren zu konnen ware eine klare Rechtslage erforderlich und zu dieser ein klarer politischer Wille..Beides aber gibt es nicht in unserer kapitalistischen Demokratie. Tja meine Herren ganz so einfach ist das mit dem dann wohl doch nicht!.Diskussionen zum Thema .Nachtrag vom 08.02.2011 .Diesen Artikel weiterempfehlen ..

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