Widerruf von Fremdwährungsdarlehen: Wechselkursrisiko trägt die Bank

/ 18.10.2018 / / 151

Aufgrund der Wechselkursschwankungen bergen Fremdwährungsdarlehen für Verbraucher ein hohes Risiko. Das mussten viele Darlehensnehmer z.B. erfahren, als der Kurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro deutlich anstieg und sich die Darlehensschuld damit spürbar erhöhte. Wurde das Fremdwährungsdarlehen aber erfolgreich widerrufen und die Darlehenssumme in Euro ausgezahlt, muss der Verbraucher den Kredit auch nur in Euro zurückzahlen. Das hat das Landgericht Frankfurt a.M. mit Urteil vom 23. März 2018 entschieden (Az.: 2 28 O 160/16).

Michael Staudenmayer

Jetzt Kontakt zu Michael Staudenmayer aufnehmen

Rechtsanwalt Michael Staudenmayer aus Stuttgart ist spezialisiert auf juristische Themen aus dem Bank- und Kapitalmarktrecht sowie aus dem Steuerrecht.

info@ra-staudenmayer.de
0711 / 7826933-0

„Nach dem Urteil des Landgerichts Frankfurt trägt der Verbraucher nach dem erfolgreichen Widerruf eines Fremdwährungsdarlehens nicht das Wechselkursrisiko, wenn die Bank ihm das Darlehen in Euro ausgezahlt hat. Dann verbleibt dieses Wechselkursrisiko bei der Bank, auch wenn vertraglich vereinbart wurde, dass die Rückzahlung des Darlehens beispielsweise in Schweizer Franken erfolgen sollte. Angesicht des gestiegenen Kurses des Schweizer Franken ist dies eine enorme Ersparnis für den Verbraucher“, erklärt Rechtsanwalt Michael Staudenmayer, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Stuttgart.

In dem zu Grunde liegenden Fall hatte der Darlehensnehmer in den Jahren 2004 und 2007 zwei Fremdwährungsdarlehen über insgesamt 620.000 Euro abgeschlossen und 2015 den Widerruf erklärt. Das Landgericht Frankfurt erklärte, dass der Widerruf wirksam erfolgt sei, weil die Bank fehlerhafte Widerrufsbelehrungen verwendet habe. Durch die Verwendung des Wortes „frühestens“ wurde der Darlehensnehmer nicht eindeutig über den Beginn der Widerrufsfrist aufgeklärt sodass der Widerruf auch Jahre nach Abschluss noch erfolgen konnte.

In Folge des wirksamen Widerrufs müssen beide Parteien die empfangenen Leistungen zurückgewähren. Der Darlehensnehmer hat insgesamt 620.000 Euro als Darlehen erhalten, die er an die Bank zurückzahlen muss. Obwohl es sich um Fremdwährungsdarlehen handele sei dabei nicht auf den Gegenwert in Schweizer Franken abzustellen. Maßgeblich sei, dass die Auszahlung an den Darlehensnehmer in Euro erfolgt sei und nur dies sei für die Rückgewährpflicht entscheidend. Dass der Verbraucher bei den Fremdwährungsdarlehen bewusst Wechselkursrisiken übernommen hat, habe keine Relevanz, so das Gericht. Die vertraglichen Risikozuweisungen seien durch den erfolgreichen Widerruf erloschen. Das heißt, der Verbraucher muss das Darlehen in Euro zurückzahlen.

Ähnlich hatte sich auch schon das OLG Stuttgart geäußert (Az.: 6 U 148/12). Es stellte klar, dass nichts dagegen spreche, Darlehensverträge mit Fremdwährungsrisiken ebenfalls als Verbraucherdarlehen anzusehen. Sofern der Verbraucher mit dem Abschluss des Darlehens Fremdwährungsrisiken übernommen hat, sei dies in Folge des erfolgreichen Widerrufs hinfällig geworden. Da das Darlehen in Euro ausgezahlt wurde, müsse der Betrag auch nur in Euro erstattet werden.

„Zahlreiche Verbraucher sind bei Fremdwährungsdarlehen durch die Aufwertung des Schweizer Franken in Schwierigkeiten geraten. Sie können prüfen lassen, ob sie durch einen Widerruf einen günstigen Ausstieg aus dem Kredit ohne Wechselkursrisiko erreichen können“, sagt Rechtsanwalt Staudenmayer.

Darüber hinaus sind Banken bei der Vergabe von Fremdwährungsdarlehen verpflichtet, über das Risiko von Wechselkursschwankungen umfassend aufzuklären. Das hat der EuGH schon 2017 entschieden (Az.: C-186/16). Ohne eine solche ausführliche Information kann eine Klausel, die den Verbraucher zur Rückzahlung des Darlehens in der fremden Währung verpflichtet, unwirksam sein.

Mehr Informationen: https://www.ra-staudenmayer.de/t%C3%A4tigkeitsschwerpunkte/bankrecht

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Erfahrungen & Bewertungen zu Udo Schmallenberg



Aktuelle Kommentare

  • Hans Bader: Ich erhielt vom KBA folgende Antwort auf meine Anfrage: Ich beziehe mich auf Ihre...
  • Riautschnig: Der ADAC hat die Rechtsprechungsübersicht zur Abgasthematik aus dem Netz genommen,...
  • Aileen Marcinkowski: Aktuell im Saarland! Wir sind viele betroffene!! Wie ist es euch ergangen...
  • Laur Schehl: Leider bin ich auf die Masche vom Herrn Jäger auch reingefallen! Wir müssen uns alle...
  • Thomas Scigala: Einigkeit und RECHT und Freiheit. Wenn das Recht nur noch auf dem Papier steht...