Kritik an Umtauschprämien für Diesel

/ 11.10.2018 / / 363

Als wenn Volkswagen nicht wüsste, dass das wieder Ärger gibt: der Konzern gewährt jetzt doch tatsächlich Umtauschprämien für Euro-4 und Euro-5-Diesel und zwar wirklich nur in den 14 Städten, die laut Bundesregierung besonders stark belastet sind. Als wenn die das jucken würden, wo die Leute wohnen??? Umtauschprämien sind nichts anderes als ein gewaltiges Konjunkturprogramm für die Auto-Industrie. Machen wir uns da nichts vor: Das Ganze ist ein Riesengeschäft für VW und Co und spätestens wenn’s Weihnachtsgeld gibt werden die Prämien auf ganz Auto-Deutschland ausgeweitet. Wetten, dass…?

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Umtauschprämien waren schon immer vor allem eins: Ein gewaltiges Zusatzgeschäft! Aber rechnen wir das doch mal durch: Ein Passat Diesel ist durch den Abgasskandal auf dem freien Gebrauchtwagenmarkt nicht mehr viel wert. Für ein durchschnittliches 4 bis 5 Jahre altes Euro-5-Modell hat der Besitzer einen Wertverlust von etwa 5000 Euro hinzunehmen. Ok, bei Kauf eines neuen Passats kompensiert die Prämie den Wertverlust – mehr aber auch nicht. Der neue Passat kostet 30.000 Euro, ich muss also mindestens 15.000 Euro drauflegen. Will ich das – kann ich mich auch für was anderes entscheiden? Muss ich ein Auto, das auf 250.000 Kilometer ausgelegt ist mit 100.000 Kilometern eintauschen? Was muss ich tun, damit ich das Auto weiterfahren kann?

Eigentlich werde ich gar nicht gefragt, denn wenn ich nicht will, habe ich mich halt mit meinem Verlust abzufinden – basta. So einfach ist das. Von der Prämie profitieren nur die, die sich das auch leisten können – sehr sozial! Und was passiert mit dem Passat? Wird der verschrottet? Oder darf der demnächst in Odessa oder Liew die Luft verpesten? Was ist mit der Öko-Bilanz von solchen Aktionen? Echt Deutschland – mir graut vor dir…

Was wird passieren, wenn dieses Konjunkturprogramm für angeschlagene Motorenbauer funktioniert?

Dann wird VW Umsätze machen wie noch nie. Gut: die Marge pro PKW wird zwar sinken, aber die Vervielfachung der Produktion macht das drei Mal wieder wett. Auf der positiven Seite: Wir erhalten ein paar wirklich sehr gut bezahlte Arbeitsplätze und wir schaffen zufriedene Gesichter bei den Aktionären. Und: jede Menge Umsatzsteuer für die Staatskasse! Von den 30.000 Euro für den neuen Passat bekommt der Finanzminister 6000 Euro ab. Das nennt man dann wohl Teamwork.

Sozial Schwache und die Umwelt zahlen drauf. Der einzige Weg zur Schadstoffreduzierung in unseren Städten ist die Fahrzeug-Minderung. Sitzt da wirklich jemand im Ministerium der glaubt, dass die Schadstoffe sinken, wenn Leute mit anderen Autos unterwegs sind? Verbrennungsmotoren machen nun mal Dreck. Schenkt Leuten, die ihren Diesel verschrotten ein E-Bike, das würde funktionieren.

Noch mehr Autos, noch mehr Verkehr und eine Verlagerung der Problematik vom Stickoxid-Bereich zur Co2-Thematik, denn Umtauscher werden keine Diesel kaufen, sondern Benziner, die längst vom Thron der Entwicklungstechnik gestoßen wurden. Übrigens: Der Passat kommt mit unter 5 Litern Diesel hin, was wird das neue Auto wohl verbrauchen?

Denn was am schlimmsten ist: eine ganze Generation von Deutschen kauft Autos mit Technik von Vorgestern, statt dass wir mit Konsumverzicht und Schadensersatz-Forderungen die Auto-Industrie zwingen, endlich zeitgemäße Autos zu entwickeln.

Jeder, der aktuell mit der Inanspruchnahme von Umtauschprämien liebäugelt sollte wissen, dass er sich damit in die falsche Richtung bewegt. Richtig wäre: die Automobilindustrie entwickelt Nachrüstungskonzepte und beginnt endlich, sich den Zukunftsthemen zu widmen.

Mein Vorschlag: 10.000 Euro Strafe für jeden betroffenen Schummel-Diesel. Dann können die Besitzer selbst entscheiden, ob sie VW das Geld wieder in den gierigen Rachen werfen oder auf einen wirklich umwelfreundlichen Wagen sparen.

Autor in Wut: Udo Schmallenberg Schmallenberg Schmallenberg

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Kategorien: Abgasskandal / Verbraucherschutz

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