Drohen amerikanische Verhältnisse? Welche Elektroschocker sind in Deutschland legal?

/ 15.03.2018 / / 46

Im Falle einer Attacke wehren und den Angreifer in die Flucht schlagen – das ist der Einsatzbereich von Elektroschockern. Je nach Stärke des Gerätes kann einem Menschen durchaus schmerzhafter Schaden zugefügt werden. Elektroschockgeräte gelten deswegen unter Umständen als Waffe und werden mit klaren Vorschriften belegt. Umso wichtiger, dass nur legale Geräte hierzulande in den Gebrauch kommen.

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Elektroschocker ist eine andere Bezeichnung für Elektroimpulswaffen. Sie gelten als nicht-tödliche Waffen, die mit einem kontrollierten elektrischen Schlag mit einer hohen Spannung und niedriger Stromstärke funktionieren. Das Gerät erzeugt aus einer niedrigen Batteriespannung von 1,5 bis 12 Volt eine hohe Ausgangsspannung durch Induktion. Kommt ein Mensch mit den beiden Kontakten des Gerätes in Kontakt, schießt ein elektrischer Stromstoß in den Körper.

Ein solcher Stromschlag ist – je nach Stärke – in der Regel sehr schmerzhaft und kann dauerhaft mit weiteren Beschwerden verbunden sein. Ziel dieser Waffe ist es, einen Angreifer für eine kurze Zeit bewegungsunfähig zu machen. Das geschieht laut Herstellerangaben sofort: Eine Minute lang ist die Person paralysiert.

Die durch den Stromschlag ausgelösten Wirkungen können zwar kein Herzflimmern verursachen, jedoch kommen immer wieder Menschen dadurch ums Leben. Unangenehme Folgebeschwerden wie Brandverletzungen, Schürfwunden oder Schockzustände sind dabei stark von den Geräten abhängig – allerdings reagieren die Menschen auch unterschiedlich: Auf Defport, dem Portal für Selbstverteidigung, zeigen eindrucksvolle Selbstversuche, wie selbst ein Gerät mit 500.000 Volt Spannung nichts Gravierendes bewirkt.


Durch einen Stromschlag können Personen unter Umständen empfindliche Verletzungen erleiden.

Wie kommt es zu den unterschiedlichen Effekten? Wie effektiv ein Elektroschocker wirkt, und in welchen Fällen die Auswirkungen schwerwiegender sind, liegt an mehreren Faktoren:
– Elektrischer Widerstand: Je nachdem, ob der Elektroschocker direkt an der Haut wirkt oder erst durch die Kleidung dringen muss, ist die Wirkung verschieden.
– Feuchtigkeit: Je trockener die Umgebung und die Kleidung, umso stärker fließt der Strom.
– Stärke des Gerätes: Wieviel Volt der Schocker hat, ist nicht so entscheidend, nur in Kombination mit den Ampere-Angaben und der Stromstärke variiert die Stärke des Stromschlages.
– Angriffspunkte: An bestimmten Punkten am Körper wirkt ein Teaser oder Schocker stärker als an anderen. Am Oberkörper, in der Nähe des Herzens und am Kopf kann der Einsatz lebenswichtige Signale des Körpers überlagern und ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Gesetzgebung und wichtige Regeln

Wer einen Elektroschocker einsetzt, macht von seinem Recht auf Selbstschutz und der Selbstverteidigung mit legalen Waffen Gebrauch. Die Grundlage dafür ist in Deutschland der so genannte Notwehrparagraph (§32 StGB). Dieser besagt, dass eine Tat, die in Notwehr begangen wird, grundsätzlich nicht rechtswidrig ist. Das gilt allerdings nur so lange, wie der Angreifer wirklich auf die Gesundheit oder das andere Leben aus ist und nicht mehr, sobald der Angreifer von der Person ablässt.
Wenn jemand zu Unrecht Opfer eines Angriffes ist, sollte er sich mit Hilfe eines Rechtsanwaltes gegen die zu Unrecht erhaltene Körperverletzung selbst zur Wehr setzen.

Deswegen gelten in Deutschland klare Regeln im Umgang mit Elektroschockgeräten:
• Elekroschocker sind in Deutschland nur verkäuflich an Personen ab 18 Jahren.
• Nur Geräte mit einem PTB-Prüfsiegel dürfen in den Verkauf gelangen. Seit Anfang 2011 sind Elektroschocker ohne dieses Prüfsiegel verboten.
• Für alle Geräte, die vor dem 1.1.2011 gekauft wurden, gilt die Übergangsregelung: Niemand darf solche Geräte im öffentlichen Raum oder auf Veranstaltungen mitführen. Das Waffengesetz nach §42 regelt in diesem Fall eindeutig den Gebrauch und die Mitnahme dieser Geräte.

Amerikanische Verhältnisse?

Erfunden wurde der Elektroschocker vermutlich im ersten oder zweiten Weltkrieg. Zum Patent angemeldet hat ein gewisser Jack Cover den Taser im Jahr 1972. Gerade bei der Polizei und im militärischen Bereich sind die eingesetzten Geräte mit Waffen gleichzusetzen.

So ist es auch kein Wunder, dass in vielen Staaten von der Polizei eigene Elektroschockpistolen im Einsatz sind. In England beispielsweise wurde 2008 bekannt, dass vom britischen Innenministerium 10.000 Taser bestellt und 30.000 Polizisten im Umgang darin geschult wurden. Auch in Deutschland sind diese Waffen als Alternative zur Schusswaffe nun verstärkt im Einsatz: 2017 hat die Berliner Polizei einen Feldversuch mit Tasern gestartet. Der richtige Einsatz mit dem Elektroschocker liegt hier vor allem im schnellen Gebrauch des Gerätes. Schließlich muss der Angreifer damit Körperkontakt herstellen, dafür sind geschulte Reflexe vonnöten.

In den USA sind ebenfalls Elektroschockpistolen bei der Polizei üblich. Laut Amnesty International sind in den USA zwischen 2002 und 2010 sogar 334 Menschen gestorben. In vielen Fällen wurde dokumentiert, wie die Taser von den Polizisten bei den Opfern viele Male hintereinander zum Einsatz kamen – auch, wenn die Personen bereits bewegungslos am Boden lagen. Der unverantwortliche und zum Teil missbräuchliche Einsatz der Elektroschocker hat hier mehrfach zum Tode geführt.

Um einen Angreifer wirkungsvoll abzuwehren, ist eine Ausbildung in Selbstverteidigung immer noch am sinnvollsten.

Wirksame Alternativen der Selbstverteidigung

Für viele Menschen ist der Einsatz eines Elektroschockers nicht passend. Sein Einsatz ist immer mit dem direkten Körperkontakt des Angreifers verbunden und erfordert ein gewisses Training, um effektiv genug zu und gleichzeitig nicht zu gefährlich oder gar tödlich zu sein.

Eine weitaus wirkungsvollere Alternative ist hier ein Pfefferspray oder CS-Reizgas. Eine solche Dose passt leicht in jede Handtasche oder Jackentasche und ist gerade für Frauen leichter in der Handhabung. Dem Gebrauch von Pfefferspray wird, richtig angewendet, eine verheerende Wirkung nachgesagt. In die Augen gesprüht, kann das Spray für einige Momente für starke Irritationen sorgen – bis hin zu starken Augenreizungen oder Erblindungen.

Hier müssen sich Verbraucher auf die Angaben des Herstellers zum Gebrauch dieser Produkte verlassen können, gegen Falschangaben und irreführende Behauptungen der Hersteller kann eine starke Interessengemeinschaft im Verbraucherschutz Hilfestellung bieten.

Am wirkungsvollsten stellt sich jede angegriffene Person durch die eigenen Reflexe zur Wehr. Mit verschiedenen Selbstverteidigungsübungen oder durch das Erlernen von Kampfsportarten gehen bestimmte Bewegungen automatisch in die Reaktionsweise über und helfen bei einem Angriff. Die Haltung, die jemand ausstrahlt, der geübt ist in bestimmten Selbstverteidigungstechniken, bewirkt oft, dass diese Person erst gar nicht zum Opfer wird. Und wenn doch, hat sie meist viel bessere Chancen, einen Angriff erfolgreich abzuwehren.

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