Wir schaffen das – Das Wir schaffen – Schaffen wir das?

/ 04.01.2016 / / 65

Es macht mich krank, dass man wirklich kaum jemandem wirklich erklären kann, um was es in Syrien geht, welche Rolle die Flüchtlinge spielen und was noch alles passieren kann, wenn man jetzt falsch reagiert. Ich weiß das natürlich auch nicht 100 % um was es geht, was wirklich richtig ist und ganz bestimmt kann ich nicht vorhersehen, wie es enden wird. Aber ich möchte auf eine persönliche Argumente- und Wissensdatenbank verweisen können, die meine Positon deutlich herausstellt und deren Veröffentlichung mich der Pflicht enthebt jede Diskussion mit jedem, den ich überzeugen möchte täglich auf’s neue beginnen zu müssen. Wer also wissen möchte, wie ich über Glaubenskrieg und Flüchtlingsfrage denke, der mag hier weiterlesen und auf Fortsetzungen hoffen.

Sind wir schon im Krieg?
Wer auf dem Schachbrett des 21. Jahrhunderts die Rollen der aktiven Protagonisten verteilt, muss insgesamt vier Figuren zugestehen, die Zukunft aktiv mitgestalten zu wollen, zu können und zu müssen. Es sind dies die politisch, wirtschaftlich und militärisch Verantwortlichen beider Lager und weiter die Anhänger der beiden Zivilisationen, die in der Auseinandersetzung aufeinandertreffen oder direkt von den Folgen der Auseinandersetzung betroffen sind.

Der Konflikt ist präsent und unabwendbar. Dabei ist es unwesentlich, ob es hier um den Gestaltungswunsch des Individuums oder um die Visionen von Staatslenkern und Staatsdenkern geht. Es muss nun geklärt werden, in welchem Rahmen und zu welchen Zeitpunkten die Protagonisten ins Spiel eingreifen, welche Intentionen Sie haben, welche Ressourcen und welche Optionen.

Das Wesen einer Religion ist bestimmt von der Doktrin, einzig maßgebliche moralische Instanz für die ihr angehörig fühlenden Gesellschaften sein zu müssen. Das Verhältnis zweier starker Religionen wird nicht durch ein Gleichgewicht der Kräfte harmonisiert und ist davon sogar völlig unabhängig. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Angehörigen , also die Individuen einer Religion – diese aktiv ausüben oder zum moralischen Maßstab erheben, oder nur im Rahmen gesellschaftlicher Prägung eine Grenzsetzung als geistlichen Horizont erleben, den es mal zu überschreiten, mal zu respektieren gilt. Die Übernahmebereitschaft durch Schwäche ist selten Grund für einen Krieg, höchstens Signal für einen Völkermord.

Der Islam und das Christentum haben immer dann Fronten aufgebaut, wenn sich innerhalb einer der beiden Religionen ein Stärkungsdrang bzw. Positionierungsdrang auf der vermeintlich schwächeren Seite entwickelte und sich die andere in eine Verteidigungsposition gedrängt fühlte. Das darauf folgende feindliche Gegenüberstehen findet Anfang des 8. Jahrunderts in der Schlacht von Tours einen ersten Höhepunkt und wird in Form der Kreuzzügen sowie im Ausdehnungsdrang des ottomanischen Reiches weiter historisch dokumentiert.

Das heutige Aufeinandertreffen der Weltreligionen unterscheidet sich grundsätzlich von den Vorgängern. Initiator ist der sogenannte radikale Islamismus, der den Glauben in eine Zeit zurück transportieren möchte, als ein eigentlich gesellschaftsfeindlich und nur einem Gott und seinen nahe stehenden Administratoren und Gefolgsleuten als Staatsmodell die Blütezeit des Islamismus markierte.

Der Gottesstaat
Das „Gott gefallen Müssen“ ist einzige Staatsdoktrin des islamischen Staates und anderer Gruppen, die aktuell als aktiv die Bewegung fördernde Elemente genannt werden müssen wie Al Qaida, Al-Nusra, Hisbolla und andere Dschihaddisten. „Gott ist der Staat“ scheint eine archaisch anmutende These zu sein, die in der Neuzeit aber Führungsqualitäten entwickelt dort, wo die Verwirrung am größten ist.

Da der „Gottesstaat“ als Gesellschaftssystem weder dem Individuum nutzbaren Vorteil außer der Erleuchtung und Hoffnung auf das Paradies liefern kann, noch allen Gesellschaftsgruppen im Zusammenspiel gleiche Rechte und Gerechtigkeit bieten kann, muss als Auslöser der Massenbewegung ein Verständnis voraus gesetzt werden, das nicht materialistisch geprägt ist.

Doch gerade der durch ein materialistisches Vakuum angeblich zwangsläufig entstehende Neidfaktor ist nicht Triebfeder einer Argumentation, die aus dem Islam modernster Prägung und die aktuelle stattfindende Völkerwanderung eine gefährlich oder gar unsere westliche Existenz bedrohende Macht entwickelt. Es ist der Verzicht aus Luxus und weltliche Güter, sowie Freiheit im Geiste. die den Kern der Auseinandersetzung aus- und dem Westen Angst macht. Ein aggressives Streben nach fremden Werten wäre nachvollziehbarer und verständlicher.

Weltliche Güter oder Interessen standen in allen drei bisherigen großen Glaubenskriegen zwischen dem Islam und dem Christentum niemals zur Diskussion. Es galt immer und gilt auch heute, Grenzen für die Andersartigkeit einer Masse in der Positionierung zu einer anderen Masse zu finden, Grenzen abzuschätzen, zu verändern und idealerweise Möglichkeiten in Bezug auf Raum und Reichtum als Beigabe zu schaffen.

Darin geht der aktuelle Glaubenskrieg mit seinen beiden Vorgängern konform. Wir haben zwei Gruppen, die im Zentrum ihrer Ethik auf die Andersartigkeit anderer mit Unbehagen reagieren. Aus diesem Unbehagen wird Angst und die Forderung aktiven Handelns. Unbehagen geht einher mit dem Wunsch, dieses belastende Gefühl abzuschalten. Aktuell bricht es sich in Deutschland auf zwei Wegen Bahn: Zum einen in der Unterstützung des Merkel’schen „Wir schaffen das“, zum anderen in einer nationalistisch geprägten Abneigung gegen Fremde, die zu uns kommen.

Aber: Ist der Islamische Staat überhaupt „NUR“ radikal-islamistisch, oder gibt es weitere Interessen?

Als Kopf des IS galt lange Zeit ein irakischer Geheimdienst-Offizier namens Haji Bakr. Bei seiner Ermordung 2014 fand man allerlei Informationsmaterial und Skizzen zum Aufbau des Islamischen Staates – aber keinen Koran! Man muss davon ausgehen, dass Haji Bakr die Dynamiken des „Dschihad“ meisterlich nutze, aber eher eine Rückeroberung des verlorenen Iraks im Auge hatte, als die Initiierung eines Gottesstaates.

Unbedingt lesen: – Informationen über Haji Bakr

Der Syrienkrieg
Der Syrienkrieg ist ein klassischer Bürgerkrieg. Persönlich hauptverantwortlich ist Baschar Hafiz al-Assad, der seit 2000 Generalsekretär der Baath-Partei und Staatspräsident Syriens ist. Er gehört als Mitglied der Religionsgemeinschaft der Alawiten der syrischen Elite an. Als 2011 der Arabische Frühling auch in Syrien Raum griff, knüppelte der Präsident die Reformbewegung nieder.

Daraus entwickelte sich in der Folgezeit die Bildung bewaffneter Milizen, die den Kampf gegen das Regime aufnahmen. Die meisten dieser Gruppen waren und sind radikal-islamisch geprägt. Neben dem IS existieren der Al Quaida nahe stehenden Gruppen wie z.B. die Al-Nusra-Front. Ein Großteil der Gruppen propagiert einen Islam sunnitischer Prägung. Zustrom an kampfbereiten Dschihadisten aus dem Westen kommt über die traditionell offene Grenze zwischen Syrien und der Türkei.

Eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Islamischen Staat nehmen die beiden kurdischen Gruppen PKK (Türkei) und Peschmerga (Irak) ein. Die im syrisch/türkisch/irakischen Grenzgebiet einen freien Staat Kurdistan errichten wollen, aber auch unter sich nicht einig sind. Zu den Kurden gehören Minoritäten wie die jesidischen Christen.

Durch den Kriegseintritt Russlands festigte sich die Position Assads, da russische Bomber und Raketen vornehmlich Rebellenstützpunkte angreifen und die unter Regierungskontrolle gebliebenen Gebiete verschonen. Durch das Bombardement von Russen, Amerikanern und Franzosen wurden zwar einzelne Ziele des IS getroffen, zum großen Teil aber großes Elend in der Bevölkerung angerichtet, was letzten Endes zum heutigen Flüchtlingsstrom geführt hat. Experten halten die aktuelle Situation für unlösbar, da es innerhalb der Bevölkerung keinerlei Akzeptanz für eine Fortführung des Assad-Regimes gibt und dieser ohne die Hilfe Russlands wohl auch nicht in der Lage wäre, sich gegen die Rebellen zu behaupten.

Wie seine Vorgänger auch ist der aus dem sich aus dem Syrienkrieg erhebende Glaubenskrieg nicht gewinnbar. Er wird enden wie seine Vorgänger: Unglaubliches Blutvergießen für einen halben Meter Raumgewinn. Es ist ein Krieg um seiner selbst willen. Die Dokumentation des Möglichseins der Auseinandersetzung reicht der radikalen Islam-Seite schon zur Darlegung einer größtmöglichen Gottgefälligkeit.

Der Irak und der Iran unterstützen Gruppen, die vornehmlich im Norden Syriens gegen den IS kämpfen, Saudi-Arabien gilt als Unterstützer der IS.

Die Führungsebenen des Islamischen Staats rekrutieren sich aus der ehemaligen militärischen Elite, die von den USA nach der Entmachtung Saddam Husseins im Irak Positionen, Ämter und Einkommen verloren sowie aus von Assad aus syrischen Gefängnissen entlassene extrem-sunnitischer Führungskader.

 

Und? Schaffen wir das?
Mit voller Absicht hat unsere Kanzlerin einen motivierenden Stellvertreter-Satz als Staatsraison ausgegeben, die vielerlei Deutungen hervorruft und Diskussion erzwingt. In erster Linie mag sie als Pastorentochter gemeint haben, dass ein starkes, solidarisches und empathisches Wir nicht nur grammatikalisches Subjekt ist, sondern in der Ausdeutung gleichfalls, Hoffnung und Anspruch als gesellschaftliches Ziel definiert, also auch Objekt ist. Ihr „Wir“ ruft uns zusammen, fordert uns auf – egal was – zusammen zu tun.

Das „Schaffen“ als leistungsorientiertes Tun fordert ein nicht ermüdendes Agieren und ein Hoffnung gebietendes immer wieder aufstehen Können, falls wir versagen. Und das Das ist die mächtigste Essenz in Merkels rhetorischem Zaubertrank. Im ersten unkonzentrierten Zuhörern vermeint man die Kurzdefinition für Lösung der Flüchtlingskrise herauszuhören und springt in der Deutung viel zu kurz, wenn nicht sogar falsch.

Ich denke, Merkel meint etwas ganz anderes: Sie meint mit dem Das eigentlich das Wir und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass Wir zusammenstehen, zusammenwachsen damit das Das, was immer es auch ist, uns gelingen möge. Es geht doch nicht um die Flüchtlingskrise, es geht um die Zukunft der Welt.

Stellt man Merkels politisches Zukunftsprogramm um, entsteht ein „Das Wir schaffen“, was mindestens den gleichen moralischen Anspruch hat wir Brandts „Den Frieden wagen“ und die Kanzlerin moralpolitisch auf die Stufe einer bedeutenden Welt- und Zeit-Politikerin stellt.

Weihnachten 2015 – wir befinden uns im Krieg!
Der Westen nennt das „Kampf gegen den Terrorismus“, der Osten nennt das den „Heiligen Krieg“, fest steht, dass beide Lager diesen Krieg ausgerufen und sich gegenseitig überdeutlich erklärt haben. Höhepunkte aus westlicher Sicht waren die Bombenattentate in Paris. Seit dem kämpft in Syrien das Christentum mehr oder weniger offiziell gegen den Radikal-Islam

Die Frage ist, ob man diesen dritten Glaubenskrieg beenden kann, bevor es noch mehr Opfer gibt, oder ob das Ausfechten bis zum Ausbleiben weiterer Aktionsmöglichkeiten unausweichlich ist. Diese Schrift soll sich mit den Möglichkeiten befassen, die den aktiv Handelnden zur Einflussnahme verbleiben. Weiter soll es um die Skizzierung eines Zeitstrahls gehen, der sich als unabwendbare Vorschau zwangsläufig manifestieren wird, wenn die Beteiligten nicht in der Lage sind, größeren Schaden abzuwenden. Drittes und mir persönlich sehr wichtiges Ziel ist die Entkoppelung der Flüchtlingsmotivation von den Zielen des „Heiligen Krieges“ und die Differenzierung von Argumenten für oder gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa.

Sylvester 2015 – Sexuelle Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof

Da hat es sexuelle Belästigungen und Übergriffe am Kölner Bahnhof gegeben. Ich will das nicht herunterreden, sowas gehört zu den abscheulichsten Dingen, die passieren können und es gehört hart bestraft. Meinetwegen gehören diese Leute auch abgeschoben, solange es keine anerkannten Flüchtlinge oder Serientäter sind. Das wäre eine „Harte Hand“ mit der ich leben könnte.

Jetzt ist die Frage: Werden diese Leute – egal welche Haarfarbe sie hatten – denn im Rahmen der rechtsstaatlichen Möglichkeiten erfasst und bestraft? DAS ist die einzige gesellschaftspolitisch relevante Frage und nicht, welcher Hautfarbe und welchen Glaubens die Täter waren. Wieder gerät ein komplettes Volk in Generalverdacht, weil ein System nicht in der Lage sein will, zwischen Schwarz und Weiß zu differenzieren: „Syrer grabschen unsere Frauen an!“ und Sicherheit gibt es nur, wenn wir sie nicht mehr ins Land lassen. Wir sollten lieber mal darüber reden, wie viele Syrer in den Vorstandsetagen der großen Banken sitzen oder wie viele Iraker als Geschäftsführer auf dem Grauen Kapitalmarkt agieren und hier Milliarden verbrennen. Oder hat viellecht ein Syrer bei VW die Abgasanlagen manipuliert? Wahrscheinlich ja, zumindest dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass er dunkle Haare hatte, bei 50 % liegen.

Ich will an dieser Stelle nur eins erreichen. Es gibt viele Flüchtlinge, die absolut integer, loyal zu unserer Gesellschaft und Glauben sind. Wer verhindert, dass sie im Generalverdacht Opfer dieser Hysterie werden? Ich habe 2015 wundervolle Menschen kennengelernt und würde sie gerne schützen.

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Ein Kommentar zu “Wir schaffen das – Das Wir schaffen – Schaffen wir das?”

  1. Lorry sagt:

    Hey Schmally,

    ich empfehle http://www.chbeck.de/Lueders-Wind-saet/productview.aspx?product=14454810, da wird dann so einiges klar.

    Guten Rutsch. Gruß Lorry

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