Die erste Anleihe einer Großbäckerei verkauft sich nicht wie erwartet

/ 24.05.2017 / / 215

Wer kennt sie nicht, die Backshops der Wiener Feinbäckerei Haberer GmbH aus Mühlheim am Main, die auf Flughäfen, Bahnhöfen oder in Einkaufszentren ihre Backwaren verkaufen. Seit 1. August 2011 verkauft Heberer als erster deutscher Bäcker aber auch Anleihen seines Unternehmens zu einem Stückpreis von 1000 Euro und verspricht dafür einen jährlichen Zinsertrag in Höhe von 7% über eine Laufzeit von 5 Jahren. Nach eigenen Angaben der Bäckereikette wurden allerdings erst 600 der Teilschuldverschreibungen verkauft und damit nur die Hälfte des anvisierten Zieles von 12 Millionen Euro Einnahmen erreicht. Offenbar sind die Kunden eher skeptisch und trauen dem Brötchen nicht so recht.

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Auch wenn Heberer mit dem Slogan „Brot wird immer gegessen“ seine Anleihe bewirbt; auch Großbäcker sind schon pleite gegangen, beispielsweise die Großbäckerei Richard Hermann und die Großbäckerei Sondermann-Brot. Eine Anleihe unterliegt immer dem Emittentenrisiko und damit der Gefahr, dass eingezahltes Geld im Falle einer Insolvenz nicht zurückgezahlt werden kann. Diese bittere Erfahrung mussten erst vor Kurzem die Anleger der Pauly Biskuit AG aus Dessau machen, welche vor wenigen Wochen Insolvenz angemeldet hat.

Anleger sollten sich deshalb unbedingt einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Emittentin schaffen. Die Feinbäckerei Haberer weist im Verkaufsprospekt zum Beispiel auf den harten Konkurrenzdruck in der Branche hin. Außerdem die Miete für die vielen Standorte in Zukunft steigen. Darüber hinaus wird sich der Finanzbedarf noch einmal um neun Millionen Euro erhöhen, wenn Ende 2013 Kredite fällig werden. Schließlich stehen noch für acht Jahre Steuern und Sozialversicherungsbeiträge aus, über deren Höhe der Prospekt keine Angaben macht. Die Anleihe ist also nicht gerade wenig riskant. Kein Wunder also, dass sie mit einem Zinssatz von 7 % ausgestattet ist. Jeder Anleger muss selber entscheiden, ob ihm diese Risikoprämie ausreicht.

Beachtet werden muss noch, dass Emittentin nicht die 121 Jahre alte Heberer GmbH & Co. KG, sondern die erst 1990 gegründete Thüringer Spezialitäten GmbH ist, die nach einer schweren Krise (8,416 Millionen Euro Verlust zum Ende 2009) mit der in Mühlheim am Main existierenden Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH verschmolzen wurde.

Der Anlegerschutzanwälte e. V. rät beim Erwerb von Finanzprodukten grundsätzlich zu einer unabhängigen Beratung und genauen Information über das jeweilige Produkt.

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Ein Kommentar zu “Die erste Anleihe einer Großbäckerei verkauft sich nicht wie erwartet”

  1. CassiusClay sagt:

    Nach Angaben der Heberer GmbH ist die letzte Zeichnungsmöglichkeit der Anleihe der 28. Juli 2012. Die aktuellste Einschätzung (05.07.2012, 15:18) bezüglich dieser Anleihe fand ich im Blog der aktionaersforum AG.

    bit.ly/LW3fhC – der Link zum Beitrag

    mfG CC

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