Geht doch: …wenn Opfer aktiv werden

/ 09.11.2011 / / 58

Nicht alle Menschen verlassen sich auf nicht immer professionellen Rat aus Internet, Funk und Fernsehen sondern werden selbst aktiv – und so sollte es auch sein!!! Da wird recherchiert, man wird aktiv, zieht Schlussfolgerungen und findet über die Zeit recht selbstbewusst und kompetent für den eigenen Fall eine Lösung des Problems, wie unsere aktuelle Zusendung über Erfahrungen mut einer angeblichen Online-Modelagentur zeigt.

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„Ich hoffe Sie lesen diese Nachricht, wenn sie ein wenig Zeit haben, denn von vorn beschrieben dürfte meine Geschichte etwas länger werden. 😉

Durch den Verlust meines Jobs im Jahr 2010 versuchte ich mir eine Nebenverdienstmöglichkeit zu schaffen indem ich mich auf dem Portal tv-werbeagentur.com anmeldete. So wie immer, wenn ich mich auf einer Seite anmelde, durchforstete ich zuvor die AGB der Seite um nicht von meinem ohnehin nicht vorhandenen Geld auch noch etwas abdrücken zu müssen. Als ich diese durchgelesen hatte und nichts von der Entstehung von Kosten zu finden war, ja sogar explizit auf die Kostenlosigkeit hingewiesen wurde, meldete ich mich also am 13.10.2010 an.

Abgefragt wurden dann die „üblichen“ Daten einer Sedcard und der Upload passender Bilder. Nachdem all das erledigt war, durchsuchte ich gleich die auf der Seite zu findenden „Jobangebote“. Man konnte als Model/Fotograf seine Sedcard direkt an die „Auftraggeber“ versenden und musste dann warten ob diese denn antworten und Interesse hätten. Ich habe nie auch nur eine einzige Antwort erhalten.

Das hat mich nicht so sehr gestört, denn ich wollte ja nun nicht hauptberuflich ins Modelbusiness einsteigen, sondern nur sehen ob ich vielleicht so ein bisschen Geld rein bekäme. Doch statt der Aufträge, die die „TV-Werbeagentur“ angeblich laut AGB für mich suchen und mir zusenden wollte, erreichte mich am 05.01.2011 eine unerfreuliche Email.

In dieser wurde mir mitgeteilt, dass ich ja nicht von meinem Widerrufsrecht gebrauch gemacht hätte und dass die Agentur sich deshalb für die „bereit gestellte und erbrachte Dienstleistung“ erlaube für die vereinbarte Vertragslaufzeit eine Rechnung zu stellen.

36 Euro sollte ich nun entrichten. Im Anhang schickte mir die Agentur freundlicher Weise noch einmal eine PDF-Datei mit ihren AGB. Das Herz schlug mir bis zum Hals, denn zu allererst zweifelte ich an mir. Habe ich die AGB nicht richtig gelesen?

Da sich meine finanzielle Lage noch nicht wirklich verbessert hatte, schrieb ich als Antwort eine E-Mail in der ich die Agentur fragte ob denn nicht einfach eine Löschung meines Accounts und meiner Daten möglich wäre, da ich die Leistung nicht bezahlen könne.

Die Antwort:

„Guten Tag

Laut unserer Rechnungsabteilung haben Sie sich bei uns registriert und ein Profil angelegt dies ist kostenpflichtig wie Sie unseren AGBs entnehmen können. Dies haben Sie auch bestätigt. Falls Sie Ihrer Zahlung nicht nachkommen sollten leiten wir dies an unser Inkassowesen weiter.

Stellvertretende Geschäftsleitung
D. M.

ließ mich natürlich noch mehr erschrecken. Im Anhang sandten sie mir meine „Sedcard“ zum Beweis, dass ich ihre Leistung ja in Anspruch genommen habe. Völlig verzweifelt bat ich nun um eine Fristverlängerung damit ich der Zahlung nachkommen könnte. Daraufhin entgegnete man mir nur damit, dass nach Eingang meiner Zahlung die Sedcard gelöscht würde und mir keine weiteren Kosten entstehen würden. Ich bedankte mich für das Entgegenkommen und hoffte nun das Beste um diese 36 Euro irgendwie zusammen zu bekommen.

Ich redete also mit meinem Freund darüber und dieser Schlug vor, doch erst einmal das Internet zu dieser Agentur zu befragen. Dass ich da nicht von selbst drauf gekommen bin ist eigentlich peinlich. Und so verwies Google mich auf den Blog eines Anwalts, der sich schon mehrfach ausgiebig mit der Agentur bzw. „M.S.W. und Partner LTD Arcade Avenue 34 – N3 2JU London“ beschäftigt hatte und bei dem sich immer wieder auch in Kommentaren zum Blog betroffene Leute meldeten.

Die anderen Opfer tendierten von hilflos bis wütend, denn keinem wurde auch nur ein einziger Auftrag vermittelt und dennoch eine Rechnung gestellt. Der Anwalt hatte nun für diesen Fall empfohlen einfach nicht darauf zu reagieren – was in meinem Fall ja bereits zu spät war. Für all jene, denen es ging wie mir, hatte er ein Musterschreiben in seinen Blog gestellt. Glücklich über diesen Fund sandte ich das angepasste Musterschreiben sofort per E-Mail an die „Agentur“.

Ich wollte mich aber doch noch ein wenig mehr absichern und bat meinen Freund, der glücklicher Weise Informatik studierte, mir doch einmal die AGB der Internetseite am Tag meiner Anmeldung heraus zu ziehen. UND SIEHE DA: Keine Kostenankündigung, kein gar nichts. Nur der explizite Hinweis darauf, dass keine Kosten entstehen würden.
Ich machte einen Screenshot von dieser und einen von der aktuellen Seite.

In der Zwischenzeit hatte mich eine weitere Mahnung erreicht in der ein noch härterer Ton angeschlagen wurde. Ich beantwortete sie erneut mit dem angepassten Musterschreiben.
Und als ich darauf eine weitere unverschämte Mahnung die anscheinend auch noch ein Mitarbeiter mit Rechtschreibschwäche geschrieben hatte erhielt, in der etwas von Übergabeprotokoll an die Strafverfolgungsbehörde stand, platzte mir der Kragen.

„Meine sehr geehrten Damen und Herren,

da Sie auf mein Schreiben vom 07.01.2011 nicht reagiert haben, gebe ich Ihnen hiermit noch einmal die Chance ihre unlautere Belästigung zu unterlassen und meine Daten von ihrer Seite und aus ihrem System zu löschen, da ich mich sonst genötigt fühle bei Zuwiderhandlung Ihr Unternehmen anzuzeigen, welches bereits für seine illegalen Machenschaften bei vielen Anwälten bekannt ist.
Mein Schreiben vom 07.01.2011 ist gültig und auch so anzuerkennen.
Des Weiteren empfehle ich Ihnen vielleicht doch qualifiziertere Mitarbeiter zu beschäftigen, welche den Unterschied von „dem“ und „den“ in einem Drohungsschreiben kennen.

Mit freundlichen Grüßen

…“

Im Anhang sandte ich ihnen meine beiden Screenshots zu.

Ich habe seither nie wieder etwas von der TV-Werbeagentur gehört.
Als ich nun neulich wieder im Internet unterwegs war und meine alten Mails durchsah, da klickte ich spaßeshalber auf den Link der TV-Werbeagentur. Dort heißt es inzwischen die Domain sei zu verkaufen. Die Seite existiert nicht mehr. 😀

Ich freue mich dass der Widerstand so vieler etwas bewirken konnte.
Wieder eine Suchmaschine bemühend, fand ich nun aber weitere Abofallen der M.S.W. und Partner LTD Arcade Avenue 34 – N3 2JU London.
TOP-APPS24.com (http://forum.computerbetrug.de/threads/neue-abo-falle-moogu-dienst.34103/page-3) und moogu-dienst.com (http://forum.computerbild.de/internet-abzocke/moogu-dienst-schickt-rechnung_95316.html) wurden aber glücklicher Weise relativ zeitig enttarnt. Alle von dieser dubiosen Firma betriebenen Websites sind nicht mehr existent.
Ob sie endlich aufgegeben haben?

Es wäre wünschenswert, denn niemand sollte sich von solchen Leuten mehr Bauchschmerzen machen und schon gar nicht Geld aus der Tasche ziehen lassen.

Ich dachte sie interessiert es vielleicht, dass manchmal auch einer von denen untergeht. Das macht doch wieder Mut und Hoffnung. Geben Sie meine Erfahrungen gern an andere weiter und warnen Sie die Leute vor M.S.W. und Partner LTD Arcade Avenue 34 – N3 2JU London. Vielleicht kommen die ja doch irgendwann mal wieder aus der Versenkung. Und dann soll es ihnen nicht bei einem einzigen Menschen gelingen.

Danke für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen

B.B.

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Kategorien: Modell-Agenturen
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